14.07.2017

Wenn jeder nur macht, was er muss, funktioniert die Gesellschaft nicht


Abschlussfeier der neuen Berufsausbildung "Fachpraktiker Service" im St. Marien. Mit den Fachpraktikerinnen und Fachpraktikern haben auch die Ausbildungseinrichtungen Neuland betreten und voneinander gelernt. Nur 1% der Förderschüler bekommt direkt nach der Schule eine Lehrstelle. Dem tritt In Via mit diesem Ausbildungsangebot entgegen.

"Wenn jeder nur macht, was er muss, funktioniert die Gesellschaft nicht," davon ist Pfarrer Franz Meurer überzeugt. Er ist einer der Initiatoren von In Via und begrüßt die gespannten Zuhörer, die sich in der Krankenhauskapelle des St. Marien zur Abschlussfeier eingefunden haben.

„Ich habe gehört, Sie fahren die Patienten zum Beispiel zum OP", wendet er sich an einen der Absolventen. "Man stelle sich vor, mit wie viel Angst die Patienten diesen Weg antreten. Sie schenken ihnen Zuwendung und Empathie".

"Ein Meilenstein für Sie diesen Abschluss geschafft zu haben",

erkennt die Gastgeberin Dr. Daniela Kreuzberg, Kaufmännische Direktorin der GFO Kliniken Bonn, die Leistung an. "Sie halten Ihr bundesweit anerkanntes Zertifikat in den Händen und dürfen sich als “Fachpraktikerinnen und Fachpraktiker Service in sozialen Einrichtungen," bezeichnen."

Jeder selbstverdiente Euro macht Menschen stolz mit dem Bewusstsein: Ich gehe arbeiten und muss nicht bei den Behörden anstehen, um meinen Lebensunterhalt zu bestreiten, endlose Anträge stellen beim Jobcenter, Sozialamt, Wohnungsamt. Es geht um Menschenwürde, um einen Platz mitten in der Gesellschaft, es geht darum, unabhängig zu sein. Und es geht darum, gelernt zu haben, ich kann meine Ziele schaffen.

Nicht alles ist für jeden selbstverständlich. Es gibt kein Normal, jeder Mensch ist ein Individuum.

Ausblick: "Ohne Unterstützung und Begleitung würden Sie es schwer haben auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt" sagt Sybille Klings, Geschäftsführerin In Via Köln e.V.. 88 Plätze hat In Via zurzeit, im Herbst kommen weitere in Rheinland Pfalz hinzu. Ein weiterer Ausbau ist in Planung. „Geben Sie das Lernen nie auf, bleiben Sie neugierig“, appelliert sie an die jungen Leute. „Sollte es mal zu Problemen kommen, rufen Sie uns bitte an, wir haben auch weiterhin ein offenes Ohr“. 

Die Arbeitgeber, die sich an dem Projekt beteiligen, geben im Anschluss an die Ausbildung eine Arbeitsplatzgarantie.

"Menschen," so mahnt Jürgen Becker, Kabarettist, sollten nicht nach ihrem Zeugnis beurteilt und nicht nach ihrer Schulform kategorisiert werden. Die Natur packt die Tiere auch nicht in Schubladen. Nehmen wir zum Beispiel die Schlange, sie hat keine Arme und keine Beine und lebt dennoch nicht in einem Behindertengebüsch."

Mehr zur Abschlussveranstaltung und In Via 

In Via gibt Menschen mit Lernverzögerung eine Chance aus dem Behördenkreislauf der Alimentierung zu entkommen.